Types of beer in early modern Germany

Geſchichte der denkwürdigſten Erfindungen von der älteſten bis auf die neueſte Zeit

pp. 170~171

 

[170] Unter den einzelnen Bierſorten, die zeitig eine gewiſſe Berühmtheit erlangt und dieſelbe auf die Dauer behauptet haben, dürfte die ſogenannte Braunſchweiger Mumme einen der erſten Plätze einnehmen. Sie ſoll daſelbſt ſchon um das Jahr 1492 durch den Bürger Chriſtian Mumme [171] erfunden worden ſeyn, und beſteht in einem tiefdunkeln, ſyrupähnlichen Braunbier, welches durch weitgetriebenes Abdampfen der Bierwürze, d. h. des mit heißem Waſſer angeſottenen Malzſchrotes gewonnen wird. Doch hat ſich ſeit dem Aufkommen der ſtark gehopften Lagerbiere das Wohlgefallen an der ſüßlichen Mumme ſehr verloren, und auch in Braunſchweig ſelbst wird nur noch wenig davon bereitet.

Among the individual beer types that have achieved wide recognition and managed to retain a good reputation in earlier times, so-called Brunswick Mumme must be counted among the top. It is said to have been created by burgher Christian Mumme in around 1492, and it is a syrupy and deeply dark brown beer, which is produced by an extensive evaporation of the wort, i.e. yielded by simmering the malt grist with hot water. Since the emergence of the strongly hopped lager beers however, the popularity of sweet Mumme has declined markedly, and even in Brunswick itself there is much less of it brewed.

Starcke bittere Braunbiere wurden im ſechszehnten Jahrhundert an mehreren Orten in Deutſchland gebräuchlich, und namentlich war zu Luther’s Zeit das Merſeburger Bier in dieſer Rückſicht als magenſtärckendes Getränk berühmt. Bald kamen aber auch die Weißbiere auf, d. h. die nicht aus Darrmalz, wie die Braunbiere, ſondern aus Luftmalz von Gerſte mit einem Zuſatz von Waizenmalz bereiteten Biere, unter welchen die Goſe von Goslar und der Broyhan von Hannover als die älteſten genannt werden müſſen; letzterer ſoll um das Jahr 1526 von Cord Broyhan zu Hannover erfunden worden ſeyn. Die geringere Haltbarkeit des Weißbiers und ſeine blähende Eigenſchaft iſt Urſache, daß es in neuren Zeiten vielfach von den ſich lange haltenden Lagerbieren verdrängt ward. Uebrigens fing man allmähig an, die aus gutem Darrmalz mit Hopfenzuſatz hergeſtellten Lagerbiere durch Erhöhung der Quantität des Malzes und richtige Einkochung bis zu Doppelbieren zu verſtärcken. Seit längerer Zeit berühmt ſind als ſolche Doppelbiere das Köſtritzer und das Gersdorfer. Letzteres ſtammt aus dem Dorfe Gerſdorff bei Noſſen in ſächſiſchen Erzgebirge, und zeichnet ſich durch die Reinheit und Lieblichkeit ſeines Gehalts ganz beſonders aus.

Strong bitter brown beers became common in many places in Germany in the sixteenth cenutry, and in Luther’s time Merseburg beer was particularly famed as a stomachic brew among them. Soon thereafter, white beers came into being: they are beers made not from kilned malt but from air-dried barley malt with an addition of wheat malt, and among which Gose from Goslar and Broyhan from Hanover must be named as the oldest. The latter [Broyhan] is said to have been invented by Cord Broyhan in Hanover in 1526. The shorter shelf life of the white beer and its flatulent nature are the reasons why it has been supplanted in many cases in recent times by lager beers that last longer. In addition, people have started gradually to strengthen lager beers even to double beers by making them from good kilned malt with additional hops and with increased amounts of malt and the right reduction. Famous double beers for a long time are Köstritzer and Gersdorfer. The latter originates from the village of Gersdorf near Nossen in the Saxon Ore Mountains, and distinguished especially by its purity and the smoothness of the body.